Polyamorie

Unter dem Begriff „Polyamorie“ wir eine besondere Variante der gleichzeitigen sexuellen Beziehungen zu mehreren Geschlechtspartnern bezeichnet. Das besondere Wesensmerkmal der Polyamorie ist das Einverständnis aller Beteiligten.

Was sind die typischen Merkmale der Polyamorie?

Der Begriff „Poly“ bezeichnet „mehrere„; das Wort Polyamorie klingt der Polygamie nicht unähnlich. Letztere ist allerdings negativ besetzt: Darunter verstehen viele Menschen nach wie vor die in einigen Kulturkreisen übliche Vielehe, bei der ein Mann Ehen – und damit auch sexuelle Beziehungen – mit mehreren Frauen eingeht, die unterdrückt werden und ihre sexuelle Selbstbestimmung verlieren. Der zweite Teil des Kunstwortes Polyamorie ist von „Amor„, dem lateinischen Begriff für Liebe, abgeleitet. Damit ist der Definition des Begriffs leicht näher zu kommen; denn der Sex mit mehreren Partnern steht hier nicht im Vordergrund – vielmehr geht es darum, gleichzeitig mehrere Menschen zu lieben. Damit kann auch eine Abgrenzung geschaffen werden zum swingern oder zu One-Night-Stands innerhalb einer Beziehung. Andererseits unterscheidet sich die Polyamorie von gewöhnlichen, platonischen Freundschaften in der Weise, dass es in der Regel zum Geschlechtsakt; mindestens aber zum Austausch sexueller Energie kommt – die Polyamorie geht also über die Freundschaft deutlich hinaus. Anders als bei der Polygamie sind Gleichberechtigung und Transparenz wichtig. Es handelt sich also um eine Form des Zusammenseins, die von allen Beteiligen gewünscht und akzeptiert wird. Daraus resultiert auch eine Gleichrangigkeit bzw. Gleichwertigkeit der Partner.

Welche Voraussetzungen sollten für Polyamorie erfüllt werden?

Im Unterschied zu einer offenen Beziehung spielt die Ehrlichkeit eine entscheidende Rolle. Es geht also keinesfalls darum, die weiteren Liebschaften zu verheimlichen um den Partner damit emotional zu schützen. Das setzt voraus, dass sich beide Partner auch diesen Umgang mit den daraus resultierenden Emotionen zutrauen. Anders als beim Swingern, welches meist einen zeitlich und räumlich abgegrenzten Bereich nicht verlässt, reicht die Polyamorie viel weiter in den Alltag hinein. Die stärkere emotionale Bindung führt auch dazu, dass Polyamorie sich längerfristig orientiert.

Was sind Vorteile der Polyamorie?

Der Mensch ist für ein monogames Leben nicht geschaffen. Ein Leben in Polyamorie ermöglicht es, sein sexuelles Verlangen nicht auf Kosten anderer Menschen zu befriedigen. Darüber hinaus sorgt dieses Lebenskonzept auch dafür, mit verschiedenen Menschen in einer engen, vertrauten Beziehung zu stehen – was auch ganz praktische Vorteile haben kann. Die Fähigkeiten und charakterlichen Vorzüge können genutzt werden, mehr Menschen können auch mehr Stärken ausspielen. So viele enge Freundschaften bereichern, profitieren Menschen in Polyamorie auch von verschiedenen Beziehungen.

Bringt die Polyamorie auch typische Schwierigkeiten mit sich?

Schon monogame Beziehungen verlaufen in der Regel alles andere als reibungslos. Die Polyamorie bietet wegen mehrerer Beteiligter noch ein größeres Konfliktpotenzial. Der Lebensstil Polyamorie erfordert also eine hohe soziale Kompetenz, um Kompromisse für entstehende Probleme zu finden. Darüber hinaus ist das Thema Safer-Sex nicht unkritisch, wobei dieses eigentlich in jeder – auch monogamen – Beziehung eine Frage des Vertrauens und der Ehrlichkeit ist. Natürlich besteht eine Schwierigkeit auch in dem Bild von Polyamorie in der Gesellschaft: Weil der monogame Lebensstil als Ideal propagiert wird, gelten Menschen, die in Polyamorie als seltsame Abweichung von der Norm. Auch rechtlich wirft die Polyamorie Fragen auf: Viele Gesetze gehen von der Beziehungen zwischen zwei Menschen aus.

zurück zum Glossar