Mingle

„Seid ihr jetzt zusammen?“ Die Frage Ihrer Freundin Susanne trifft Sandra unvorbereitet. Sie zuckt nur mit den Schultern. „Weiß nicht!“ Wenn Sie sich vor Augen ruft, dass Thomas und Sie erst gestern eine wunderschöne Nacht verbracht haben und er bereits seit Wochen immer wieder mal bei ihr übernachtet, könnte man tatsächlich auf den Gedanken kommen.
Andererseits ist Sandra ihre Eigenständigkeit wichtig und sie hat ihren Status auch online überall als „Single“ angegeben. Außerdem weiß Sie gar nicht, was nach dem Studium wird. Zieht Sie eventuell in eine andere Stadt und lohnt es sich da überhaupt noch, jetzt etwas Langfristiges anzufangen? Ist Thomas auch wirklich der Richtige? Sie will also eigentlich gar keine Beziehung – oder vielleicht doch?

Beziehung oder nicht – das Mingle-Dasein ist kompliziert

Wer sich wie Sandra oben mit Entscheidungsproblemen herumschlägt, gehört zur neuen Gruppe der Mingles. Mingle, also „mixed Single“, beschreibt einen Zustand zwischen einer festen Beziehung und dem Dasein als Single. Gerade bei jungen Menschen um die 30 Jahre konnten Psychologen zuletzt einen starken Anstieg dieses Beziehungsmodells feststellen.  Dabei ist auf der Ebene der Gefühle deutlich mehr im Spiel als bei einer „Freundschaft mit gewissen Vorzügen“, denn dort geht es tatsächlich nur um Körperlichkeit und gemeinsamen Sex. Ein Mingle wie Sandra hingegen hat durchaus Gefühle für Thomas und verbringt gerne Zeit mit ihm. Endgültig binden möchte Sie sich jedoch nicht.

Je nach Situation spielen dabei ganz unterschiedliche Gründe eine Rolle:

  • Heute geht es vielen jungen Menschen um Selbstverwirklichung. Die Familiengründung steht nicht mehr unbedingt im Mittelpunkt, sondern jeder möchte frei sein und möglichst viel ausprobieren.
  • Auch der Perfektionismus bei der Partnerwahl ist nicht zu unterschätzen. Jeder möchte das Beste für sich herausholen. Als Mingle lassen sich durchaus einige Vorzüge einer Beziehung nutzen, ohne dabei die Suche aufgeben zu müssen. Es könnte ja schließlich sein, dass der absolute Traumpartner noch da draußen wartet.
  • Die gesellschaftliche Entwicklung hat das Mingle-Dasein erst möglich gemacht. Heute wird hierzulande von keinem Paar mehr eine Festlegung erwartet. Noch vor 60 Jahren war sogar das Zusammenleben ohne Trauschein als „wilde Ehe“ verpönt.
  • Die örtliche Bindung hat stark nachgelassen. Das Berufsleben und auch die Online-Welt sorgen dafür, dass junge Menschen heute unter Umständen nur noch befristet an einem festen Ort bleiben. Natürlich hat auch das Auswirkungen auf das Beziehungsleben.

Mingle und unglücklich – was tun?

Sandra aus dem obigen Beispiel scheint kein Problem mit dem Mingle-Dasein zu haben. In vielen Fällen möchte ein Partner jedoch wirklich eine entsprechende Beziehung. Dieser ist auf Dauer unglücklich und leidet unter der Situation. Als Mingle sollte man sich deshalb stets folgende Fragen stellen:

  • Fühle ich mich in der jetzigen Situation wohl? Ist die ungeklärte Beziehungsfrage eine Belastung für mich oder fühlt es sich richtig an?
  • Möchte ich etwas ändern? Traue ich mich eventuell nur aus Verlustangst nicht, nach einer festen Beziehung zu fragen?

Gerade die zweite Frage dürfte viele unglückliche Mingles sehr stark betreffen. In diesem Fall ist es wichtig, Selbstvertrauen zu fassen und den anderen direkt zu fragen. Wer mit der aktuellen Situation

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Bildernachweis:
photodune.net: ©JackF – Middle-aged married couple having quarrel at home – http://photodune.net/item/middleaged-married-couple-having-quarrel/5732813